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Ja und nein. Karriere ja, Bilderbuch nein. Fritz Berger besuchte die ersten drei Klassen der Innsbrucker Handelsakademie bis zum Ende des Schuljahres 1937/38. Weniger als ein Jahr trennte den 17jährigen noch von der Matura, die damals nach der vierten Klasse abzulegen war. Die dritte Klasse schloss er mit sehr guten und guten Noten ab, was heute einem „guten Erfolg“ entspräche. Doch im darauffolgenden Schuljahr scheint er auf der Schülerliste nicht mehr auf. In Fritz Bergers drittem Jahr an unserer Schule, im März 1938, ergriffen die Nationalsozialisten die Macht in Österreich, was den jüdischen Mitbürger/innen das Leben zur Hölle machte.

Schweren Herzens beschlossen die besorgten Eltern Berger, ihre beiden Söhne Fritz und Walter aus der Schule zu nehmen und sie sicherheitshalber ins Ausland zu verschicken, zusammen mit anderen (jüdischen) HAK-Schülerinnen und -Schülern. Der Vater, Ing. Richard Berger, Brückenkonstrukteur bei den ÖBB und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck, blieb zusammen mit seiner Frau Grete im Lande, um die Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Wenige Monate später war Richard Berger tot. Er wurde am 9. November 1938 von SA-Leuten erschlagen. Mehrere jüdische Innsbrucker fielen in dieser Nacht dem Mob zum Opfer, die Synagoge brannte ab. Fritz Berger, der sich in England wegen seines deutschen Namens in Frederick Benson umbenannt hatte, kam 1946 als britischer Soldat nach Österreich zurück, um – letztlich vergeblich - nach den Mördern seines Vaters zu fahnden. Danach kehrte er Österreich endgültig den Rücken und schwieg gegenüber seinen Kindern über Vertreibung und Ermordung seiner Familie. Sein Sohn, Richard Berger-Benson, wünscht sich heute, er hätte darüber mehr mit seinem Vater gesprochen, der vor einigen Jahren in London verstarb. Ein Puzzle sei es, seine familiäre Tiroler Vergangenheit zusammenzusetzen, sagt er, manche Teilchen seien unter den Tisch gefallen, viele auf immer verloren. Den Namen Berger hat er als „middle name“ wieder angenommen.

Am 2. Oktober 2019 besuchte Richard Benson die ehemalige Schule seines Vaters. Für ihn nach vorangehenden Innsbrucker Begegnungen ein weiteres Puzzle-Teilchen, aber ein wichtiges. Wichtig auch für unsere Schule. Dir. Dr. Kreinig begrüßte ihn in der Direktion und übergab ihm eine Kopie der Klassenkatalog-Seite seines Vaters Fritz aus dem Schuljahr 37/38. Anschließend besichtigte Richard B. Benson die Räumlichkeiten des alten Gebäudeteils, wo sich dessen Klasse befand.

Nach dieser Begegnung bot sich dank Filmregisseur Hermann Weiskopf den Schülerinnen und Schülern unserer Maturaklassen die Gelegenheit, das Doku-Drama „Zersplitterte Nacht“ im Metropol-Kino zu sehen, welches Vorgeschichte und Verlauf des Novemberpogroms 1938 mit Fokus auf das Schicksal der Familie Berger nachzeichnet und in einen schulischen Rahmen einbettet. Darüber hinaus enthält es berührende Zeitzeugen-Interviews mit ehemaligen Innsbruckern, auch mit Mr. Benson, stellvertretend für den Vater. Der Regisseur vermittelte einen Einblick in die Produktionsgeschichte, Richard B. Benson antwortete auf die Fragen der jungen Menschen, die den Film in gespannter Aufmerksamkeit verfolgt hatten. „Since my father had to leave Innsbruck things have changed a lot here“, befindet er. Er erzählt von seiner Großmutter Grete, die nach der Ermordung ihres Gatten nach Palästina flüchtete, und seinem Onkel Walter, der sich ihr anschloss. Und er spricht über die Sprachlosigkeit zwischen jenen Generationen, die schwer an ihrer Familiengeschichte tragen.

Die Begegnung mit Mr. Richard B. Benson war ein berührender Moment für alle, die ihn erleben durften. Und eine Warnung, wie zerbrechlich Menschlichkeit und Demokratie sind, wenn sich nicht alle täglich für sie einsetzen.

 

Bild: Dir. Peter Kreinig, Richard B. Benson, Regisseur Hermann Weiskopf

 

 

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